Neue IT-Gesetze in Österreich und Europa 2026: Was Unternehmen jetzt wissen müssen
Techmar – Ihr Partner für Compliance und IT-Sicherheit
2026 bringt eine Reihe neuer IT-Gesetze in Österreich und Europa mit sich, die Unternehmen vor große Herausforderungen stellen.
Von der DSGVO 2.0 über das KI-Gesetz der EU bis hin zu nationalen Regelungen wie dem österreichischen Digitalisierungsgesetz – die Compliance-Anforderungen werden strenger und komplexer.
In diesem Artikel geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten neuen IT-Gesetze, ihre Fristen und Handlungsempfehlungen, damit Ihr Unternehmen rechtssicher bleibt.
—
Die wichtigsten neuen IT-Gesetze 2026 im Überblick
EU-weite Regelungen
1. EU KI-Gesetz (AI Act)
Das EU KI-Gesetz (Artificial Intelligence Act) ist das erste umfassende Regelwerk für künstliche Intelligenz weltweit.
Es klassifiziert KI-Systeme nach Risikostufen und legt strenge Anforderungen für Hochrisiko-KI fest.
Wichtig: Das Gesetz gilt für alle Unternehmen, die KI-Systeme in der EU entwickeln, vertreiben oder nutzen – unabhängig vom Standort des Unternehmens!
Fristen:
- 2026: Inkrafttreten der meisten Bestimmungen (ab 1. August 2026).
- 2027: Vollständige Anwendung für alle KI-Systeme.
Anforderungen für Unternehmen:
- Risikobewertung: KI-Systeme müssen nach Risikoklassen (niedrig, begrenzt, hoch, inakzeptabel) eingestuft werden.
- Transparenzpflicht: Nutzer müssen darüber informiert werden, wenn sie mit einer KI interagieren.
- Dokumentation: Technische Dokumentation und Risikobewertungen sind Pflicht.
- Menschliche Aufsicht: Hochrisiko-KI-Systeme müssen eine menschliche Überwachung ermöglichen.
- Datenschutz: Compliance mit der DSGVO ist zwingend erforderlich.
Betroffene KI-Anwendungen:
- Biometrische Identifizierung (z. B. Gesichts- oder Fingerabdruckerkennung).
- KI in kritischen Infrastrukturen (z. B. Energie, Verkehr).
- KI in der Personalverwaltung (z. B. Bewerberauswahl).
- KI in der Strafjustiz (z. B. Risikobewertung von Straftätern).
Strafen bei Verstößen: Bis zu 35 Millionen Euro oder 7 % des weltweiten Umsatzes (je nachdem, welcher Betrag höher ist).
—
2. DSGVO 2.0 (Datenschutz-Grundverordnung Update)
Die DSGVO 2.0 bringt 2026 wichtige Anpassungen, um mit den neuen technologischen Entwicklungen Schritt zu halten.
Besonders im Fokus stehen KI, Big Data und Cloud-Computing.
Fristen:
- 1. Januar 2026: Inkrafttreten der neuen Bestimmungen.
Neue Anforderungen:
- Erweiterte Betroffenenrechte:
- Recht auf Erklärung automatisierter Entscheidungen (z. B. durch KI).
- Recht auf Datenportabilität in Echtzeit.
- Strengere Einwilligungserfordernisse:
- Einwilligungen müssen explizit, informiert und frei sein.
- Keine voreingestellten Häkchen in Online-Formularen.
- Datenlokalisierung:
- Unternehmen müssen nachweisen können, wo personenbezogene Daten gespeichert und verarbeitet werden.
- KI und Datenschutz:
- KI-Systeme, die personenbezogene Daten verarbeiten, müssen DSGVO-konform sein.
- Datenminimierung: Nur die notwendigen Daten dürfen gesammelt werden.
Strafen bei Verstößen: Bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Umsatzes.
—
3. NIS2-Richtlinie (Network and Information Security Directive 2.0)
Die NIS2-Richtlinie ersetzt die bisherige NIS-Richtlinie und erweitert den Anwendungsbereich auf
mehr Sektoren und Unternehmen. Ziel ist es, die Cybersicherheit in der EU zu stärken.
Fristen:
- 17. Januar 2026: Umsetzungsfrist für die Mitgliedstaaten (nationales Recht muss bis dahin angepasst sein).
- 17. Juli 2026: Unternehmen müssen die neuen Anforderungen erfüllen.
Betroffene Sektoren:
- Kritische Sektoren: Energie, Verkehr, Banken, Finanzmarktinfrastrukturen, Gesundheit, Trinkwasser, Abwasser.
- Wichtige Sektoren: Digitale Infrastruktur, öffentliche Verwaltung, Raumfahrt, Post- und Kurierdienste, Abfallwirtschaft.
- Große und mittlere Unternehmen: Alle Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 10 Mio. €.
Anforderungen für Unternehmen:
- Risikomanagement: Implementierung von Maßnahmen zur Identifizierung und Minimierung von Cybersicherheitsrisiken.
- Incident Reporting: Meldung von schweren Vorfällen an die zuständigen Behörden innerhalb von 24 Stunden (Erstmeldung) und 72 Stunden (detaillierter Bericht).
- Sicherheitsmaßnahmen:
- Regelmäßige Sicherheitsaudits.
- Schulungen für Mitarbeiter.
- Implementierung von Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) und Zero-Trust-Architekturen.
- Zusammenarbeit mit Behörden: Unternehmen müssen mit den zuständigen nationalen Behörden zusammenarbeiten.
Strafen bei Verstößen: Bis zu 10 Millionen Euro oder 2 % des weltweiten Umsatzes.
—
4. eIDAS 2.0 (Electronic Identification, Authentication and Trust Services)
Die eIDAS 2.0-Verordnung erweitert die bestehende eIDAS-Verordnung und führt
digitale Identitäten (European Digital Identity, EUDI) ein. Ziel ist es, sichere und vertrauenswürdige
digitale Identifizierungsmethoden in der EU zu etablieren.
Fristen:
- 2026: Einführung der EUDI-Wallet (ab 1. November 2026).
- 2027: Verpflichtende Nutzung für öffentliche Dienstleistungen.
Anforderungen für Unternehmen:
- Unterstützung der EUDI-Wallet: Unternehmen, die digitale Dienstleistungen anbieten, müssen die EUDI-Wallet akzeptieren.
- Qualifizierte elektronische Signaturen: Nutzung von eIDAS-konformen Signaturen für rechtlich bindende Dokumente.
- Vertrauensdienste: Nutzung von qualifizierten Vertrauensdiensten (z. B. für Zeitstempel, elektronische Siegel).
Vorteile für Unternehmen:
- Vereinfachte Kundenerfahrung durch sichere digitale Identifizierung.
- Reduzierung von Betrug und Identitätsdiebstahl.
- Compliance mit EU-weit einheitlichen Standards.
—
Österreichische IT-Gesetze 2026
1. Digitalisierungsgesetz (DigG)
Das österreichische Digitalisierungsgesetz (DigG) soll die Digitalisierung in Verwaltung und Wirtschaft vorantreiben.
Es enthält Regelungen zu elektronischen Akten, digitalen Dienstleistungen und IT-Sicherheit.
Fristen:
- 1. Jänner 2026: Inkrafttreten der ersten Bestimmungen.
- 1. Juli 2026: Vollständige Umsetzung für Behörden und Unternehmen.
Anforderungen für Unternehmen:
- Elektronische Aktenführung: Unternehmen müssen digitale Akten führen, wenn sie mit Behörden kommunizieren.
- Digitale Dienstleistungen: Öffentliche Dienstleistungen müssen digital angeboten werden.
- IT-Sicherheit: Unternehmen müssen Sicherheitsstandards einhalten (z. B. ISO 27001).
- Interoperabilität: Systeme müssen mit anderen digitalen Dienstleistungen kompatibel sein.
Betroffene Branchen:
- Öffentliche Verwaltung.
- Gesundheitswesen.
- Finanzdienstleister.
- Unternehmen, die mit Behörden zusammenarbeiten.
—
2. Österreichisches KI-Gesetz (KIG)
Österreich hat zusätzlich zum EU KI-Gesetz ein eigenes KI-Gesetz (KIG) eingeführt,
das spezifische Anforderungen für den Einsatz von KI in Österreich regelt.
Fristen:
- 1. März 2026: Inkrafttreten der ersten Bestimmungen.
- 1. September 2026: Vollständige Anwendung.
Anforderungen für Unternehmen:
- Transparenz: Unternehmen müssen offenlegen, wenn sie KI-Systeme einsetzen.
- Ethik-Kommission: Für Hochrisiko-KI-Systeme muss eine interne Ethik-Kommission eingerichtet werden.
- Datenethik: KI-Systeme müssen ethische Richtlinien einhalten (z. B. keine Diskriminierung).
- Meldung von Vorfällen: Bei KI-bedingten Vorfällen (z. B. Datenlecks) muss dies der Datenschutzbehörde (DSB) gemeldet werden.
Strafen bei Verstößen: Bis zu 4 Millionen Euro oder 8 % des weltweiten Umsatzes.
—
3. Österreichisches Cybersecurity-Gesetz (CyberSG)
Das Cybersecurity-Gesetz (CyberSG) ergänzt die NIS2-Richtlinie und legt
zusätzliche Anforderungen für österreichische Unternehmen fest.
Fristen:
- 1. April 2026: Inkrafttreten der ersten Bestimmungen.
- 1. Oktober 2026: Vollständige Umsetzung.
Anforderungen für Unternehmen:
- Cybersecurity-Zertifizierung: Unternehmen müssen nachweisen, dass sie Sicherheitsstandards einhalten (z. B. ISO 27001, CIS Controls).
- Regelmäßige Penetrationstests: Mindestens einmal pro Jahr müssen Unternehmen ihre IT-Systeme auf Schwachstellen testen lassen.
- Incident Response Plan: Unternehmen müssen einen Notfallplan für Cyberangriffe haben.
- Zusammenarbeit mit dem CERT.at: Unternehmen müssen mit dem österreichischen CERT (Computer Emergency Response Team) zusammenarbeiten.
Betroffene Unternehmen:
- Kritische Infrastrukturen (z. B. Energie, Gesundheit, Finanzen).
- Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern.
- Unternehmen mit einem Umsatz von über 10 Mio. €.
Strafen bei Verstößen: Bis zu 5 Millionen Euro oder 10 % des weltweiten Umsatzes.
—
Wichtige Fristen im Überblick (2026)
| Gesetz | Geltungsbereich | Fristen | Strafen |
|---|---|---|---|
| EU KI-Gesetz (AI Act) | EU-weit | 1. August 2026 (Inkrafttreten), 2027 (volle Anwendung) | Bis zu 35 Mio. € oder 7 % des Umsatzes |
| DSGVO 2.0 | EU-weit | 1. Januar 2026 | Bis zu 20 Mio. € oder 4 % des Umsatzes |
| NIS2-Richtlinie | EU-weit | 17. Januar 2026 (Umsetzung), 17. Juli 2026 (Anwendung) | Bis zu 10 Mio. € oder 2 % des Umsatzes |
| eIDAS 2.0 | EU-weit | 1. November 2026 (EUDI-Wallet) | – |
| Digitalisierungsgesetz (DigG) | Österreich | 1. Jänner 2026, 1. Juli 2026 (volle Umsetzung) | – |
| Österreichisches KI-Gesetz (KIG) | Österreich | 1. März 2026, 1. September 2026 (volle Anwendung) | Bis zu 4 Mio. € oder 8 % des Umsatzes |
| Cybersecurity-Gesetz (CyberSG) | Österreich | 1. April 2026, 1. Oktober 2026 (volle Umsetzung) | Bis zu 5 Mio. € oder 10 % des Umsatzes |
—
Handlungsempfehlungen für Unternehmen
1. Compliance-Check durchführen
Unternehmen sollten so schnell wie möglich prüfen, welche der neuen Gesetze auf sie zutreffen.
Ein Compliance-Check hilft, Lücken zu identifizieren und rechtzeitig Maßnahmen einzuleiten.
Schritte für den Compliance-Check:
- Inventur der IT-Systeme: Welche KI-Systeme, Cloud-Dienste und Datenverarbeitungsprozesse werden genutzt?
- Risikobewertung: Welche Systeme fallen unter die neuen Gesetze (z. B. Hochrisiko-KI nach dem EU KI-Gesetz)?
- Lückenanalyse: Wo gibt es Defizite in Bezug auf Datenschutz, Sicherheit oder Transparenz?
- Maßnahmenplan: Erstellen Sie einen Zeitplan für die Umsetzung der neuen Anforderungen.
—
2. Schulungen und Awareness
Die neuen Gesetze erfordern oft neue Prozesse und Verantwortlichkeiten. Schulungen sind daher unerlässlich:
- Mitarbeiterschulungen: Sensibilisierung für Datenschutz, KI-Ethik und Cybersicherheit.
- Führungskräfte-Schulungen: Verantwortliche müssen die neuen Anforderungen verstehen.
- Externe Experten: Holen Sie sich Unterstützung von Rechtsanwälten, Datenschutzbeauftragten und IT-Sicherheitsexperten.
—
3. Technische Maßnahmen umsetzen
Viele der neuen Gesetze erfordern technische Anpassungen. Hier sind die wichtigsten Maßnahmen:
- KI-Systeme:
- Implementierung von Transparenzmechanismen (z. B. Hinweise auf KI-Nutzung).
- Einrichtung einer Ethik-Kommission für Hochrisiko-KI.
- Dokumentation aller KI-Prozesse.
- Datenschutz:
- Anpassung der Datenschutzerklärungen an die DSGVO 2.0.
- Implementierung von Datenminimierung und Löschfristen.
- Nutzung von Verschlüsselung und Pseudonymisierung.
- Cybersicherheit:
- Einführung von Zero-Trust-Architekturen.
- Regelmäßige Sicherheitsaudits und Penetrationstests.
- Erstellung eines Incident-Response-Plans.
—
4. Externe Unterstützung suchen
Die Umsetzung der neuen IT-Gesetze kann komplex sein. Externe Experten können helfen:
- Rechtsanwälte: Beratung zu Compliance und Haftungsfragen.
- Datenschutzbeauftragte (DSB): Unterstützung bei der Umsetzung der DSGVO 2.0.
- IT-Sicherheitsexperten: Hilfe bei der Umsetzung von NIS2 und CyberSG.
- Zertifizierungsstellen: Zertifizierung nach ISO 27001, CIS Controls etc.
—
Ausblick: Was kommt nach 2026?
Die IT-Gesetzgebung in Europa und Österreich wird sich auch nach 2026 weiterentwickeln.
Hier sind einige Trends und zukünftige Regelungen, die Unternehmen im Blick behalten sollten:
- EU Data Act: Regelungen zum Zugang zu und zur Nutzung von Daten (voraussichtlich 2027).
- EU Digital Services Act (DSA): Strengere Regeln für digitale Plattformen (bereits in Kraft, aber weitere Anpassungen erwartet).
- Erweiterung der NIS2-Richtlinie: Ausweitung auf weitere Sektoren und Unternehmen.
- Globale Harmonisierung: Angleichung der IT-Gesetze zwischen der EU, den USA und anderen Regionen.
—
Fazit: Jetzt handeln!
Die neuen IT-Gesetze in Österreich und Europa 2026 bringen erhebliche Veränderungen für Unternehmen mit sich.
Besonders die EU KI-Gesetz, DSGVO 2.0, NIS2-Richtlinie und eIDAS 2.0 erfordern sofortiges Handeln,
um Compliance-Risiken und hohe Strafen zu vermeiden.
Zusammenfassung der wichtigsten Schritte:
- Compliance-Check durchführen: Prüfen Sie, welche Gesetze auf Ihr Unternehmen zutreffen.
- Schulungen organisieren: Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter für die neuen Anforderungen.
- Technische Maßnahmen umsetzen: Passen Sie Ihre IT-Systeme an die neuen Gesetze an.
- Externe Unterstützung suchen: Holen Sie sich Hilfe von Experten für Rechtsfragen, Datenschutz und IT-Sicherheit.
Unternehmen, die jetzt handeln, können nicht nur Strafen vermeiden, sondern auch
Vertrauen bei Kunden und Partnern aufbauen und sich als vorbildliche, complianten Organisationen positionieren.
Links zu offiziellen Quellen hinzufügen:
-
- EU KI-Gesetz: Offizieller Text der EU
- DSGVO 2.0: EU-Kommission
- NIS2-Richtlinie: EU NIS2
- Österreichische Gesetze: RIS – Rechtsinformationssystem Österreich